Namenspatron Nikolaus von Kues

Foto: Erich Gutberlet / © St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift, Bernkastel-Kues

Namenspatron der 1956 gegründeten Bischöflichen Studienförderung ist eine der bedeutendsten Gelehrtenpersönlichkeiten des Spätmittelalters, Nikolaus von Kues (geboren 1401 in Kues/Mosel, gestorben 1464 in Todi/Umbrien), latinisiert Nicolaus Cusanus. Im Sinne eines Universalgelehrten hat er in den unterschiedlichsten Wissenschaftsdiskursen ausgreifendes Interesse mit intellektueller Brillanz verbunden.

Der Philosoph, Theologe, Rechtsgelehrte, Mathematiker und Astronom hat unser neuzeitliches Weltbild maßgeblich mitbegründet. So gilt Cusanus, lange vor Kepler und Kopernikus, als Wegbereiter der neuzeitlichen Kosmologie wie auch, lange vor Descartes, als Wegbereiter der Reflexionsphilosophie. Leitidee seines Denkens ist die Überwindung von Gegensätzen, das Aufzeigen einer alles Seiende durchwaltenden Einheit, die Konkordanz ermöglicht. Unter dieser Leitidee stehen sowohl seine Bemühungen um eine Reform der Kirche – Cusanus war von 1432-1437 als 'Konziliarist' Teilnehmer am Konzil von Basel, später dann allerdings in päpstlichen Diensten und von 1450-1458 Bischof von Brixen –, als auch seine theoretischen Schriften.

Seine berühmte Abhandlung "De docta ignorantia" ("Das belehrte Nichtwissen", 1438-1440) betrachtet Gott als absolut Größtes und insofern als die 'coincidentia oppositorum', das heißt Zusammenfallen der Gegensätze: "Das absolut Größte ist daher eine Einheit, die Alles ist und in der Alles ist, weil es das Größte ist." Als Ausnahme unter den christlichen Theologen seiner Zeit interessiert sich Cusanus für andere Kulturen, bemüht sich um eine Verständigung mit dem Islam und entwickelt die Vorstellung einer Einheit aller Religionen (De pace fidei, 1453).

Nicht durch eine privilegierte Geburt, sondern durch Begabung, Leistung und Engagement ist der Schiffersohn Nicolaus Cusanus an der Mosel in die wirkmächtigsten Eliten seiner Zeit aufgestiegen und hat als Bischof von Brixen kirchenreformerisches Wirken mit politischer Einflussnahme, wissenschaftliche Begabung mit dem verantwortungsbewussten Einsatz für die Gestaltung von Kirche und Welt verbunden. Diese Momente der Persönlichkeit des Cusaners haben bis heute stilprägende Kraft für das Profil der cusanischen Stipendiatenschaft.


 
Zum Seitenanfang