Freiheit
Jahrestagung zum Jubiläum des Cusanuswerks 2026

„Die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk ist ein Ort, an dem Freiheit nicht einfach vorausgesetzt, sondern reflektiert, kultiviert und verantwortet wird. 70 Jahre Cusanuswerk sind ein lebendiges Zeugnis für Vertrauen in junge Menschen und für den Mut, Freiheit als Bildungsaufgabe ernst zu nehmen.“ Mit diesen Worten hat Weihbischof Dr. Christoph Hegge (Münster), Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für das Cusanuswerk, die Studienförderung während der Jahrestagung im niederländischen Baarlo gewürdigt, die heute (31. Mai 2026) zu Ende gegangen ist. Mit 700 Teilnehmern und Gästen sowie 600 Zuschauerinnen und Zuschauern im Stream rückte das Cusanuswerk anlässlich seines 70-jährigen Bestehens die Freiheit in ihrer ideengeschichtlichen Entwicklung, als Grundlage eines offenen politischen Diskurses und als personale Erfahrung in den Mittelpunkt.

In einem Impulsvortrag äußerte sich Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski (Köln) zum freien Diskurs als zentralem Element der Demokratie und zur Frage, wie Diskursvulnerabilität und andere Entwicklungen die Meinungsfreiheit unter Druck geraten lassen: „Die Diskursvulnerabilität ist ein gesellschaftliches Phänomen, wonach Menschen in der Kommunikation immer verletzlicher geworden sind. Dies führt zu Schließungen im öffentlichen Diskurs und zur Lagerbildung. Die Meinungsfreiheit ist das Herzstück unserer freiheitlichen Demokratie. Wenn wir z. B. durch vermehrte Lagerbildung immer mehr Beschränkungen der Meinungsfreiheit zulassen, berauben wir uns der großen Vorteile, die die Demokratie bietet.“

Mit dem Festvortrag „Freiheit ruft die Vernunft, Freiheit die wilde Begierde“ – ein Zitat von Friedrich Schiller – konzentrierte sich der Leiter des Cusanuswerks, Prof. Dr. Georg Braungart, auf die Möglichkeiten, Freiheit als Kompetenz zu bestimmen: „Freiheit muss man können!“ Er hob dabei auch (mit Schiller) die modellhafte Rolle der Kunst bei der Entwicklung einer freien Gesellschaft hervor. Sein Fazit im Hinblick auf die Begabtenförderung: „Kompetenz zur Freiheit – das ist ein hoher Anspruch an den einzelnen Menschen, und ganz besonders an begabte junge Menschen! Kann man Begabtenförderung, wie sie das Cusanuswerk nun seit 70 Jahren unternimmt, besser auf den Punkt bringen, als so: Freiheitsräume zu schaffen, die herausfordernd sind, Erprobungsräume für die Verbesserung der Welt um uns herum – durchaus im Sinne der Utopie Schillers?“

Dr. Thomas Scheidtweiler, Generalsekretär des Cusanuswerks, betonte: „Freiheit ist die Ermöglichungsbedingung von Persönlichkeitsbildung. Begabtenförderung gelingt nur dort, wo es eine Freiheit des Denkens und Streitens gibt, wo unterschiedliche Positionen offen vertreten und kontrovers diskutiert werden können. Unsere Gesellschaft braucht solche weiten Debattenräume, frei von unausgesprochenen Sprechverboten – gerade daraus erwächst die Kraft, Brücken zu bauen und Versöhnung zu stiften.“

Anlässlich seines Jubiläums zeigte das Cusanuswerk die Bandbreite der Förderung: In fünf Kurzpräsentationen, den „Science Notes“, erschlossen ausgewiesene Expertinnen und Experten zentrale Aspekte des Themas Freiheit aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen – Philosophie, Theologie und Kunstwissenschaft, Hirnforschung und Wirtschaftswissenschaft. Fünf Stipendiaten aus der Musikerförderung setzten das Tagungsthema anschließend in einer Jam Session performativ um und sieben Künstlerinnen und Künstler steuerten Arbeiten für die Gestaltung des Programmhefts bei.

In der Eucharistiefeier mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie Ehemaligen des Cusanuswerks und Gästen aus Wissenschaft, Kirche, Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien griff Bischof Dr. Franz Jung (Würzburg) das Tagungsthema Freiheit auf. Diese zeige sich im Evangelium darin, dass Gott den ersten Schritt auf die Welt zugehe. Jesus Christus sei hierin ein Vorbild. „Ohne diesen Mut, den ersten Schritt zu tun, wird sich in der Welt nichts verändern. Wir brauchen heute Menschen, die Maß nehmen am Dreifaltigen Gott.“ Zur Freiheit müssen wir befreit werden, machte Bischof Jung deutlich: „Jesus Christus fordert und befähigt Menschen, aus ihrer Unfreiheit auszubrechen und die eigenen Freiheitsräume neu zu vermessen und auszuloten: Die Freiheit von den eigenen Erfahrungen und Milieus, von Grenzen und Erwartungen, inneren und äußeren Einschränkungen. Gleichzeitig kann Freiheit nur wirksam werden, wenn sie sich auf feste Anker rückbinde. Freiheit gelingt nur in Bindung.“

Die Jahrestagung fand in Kooperation mit dem Katholischen Akademischen Ausländer-Dienst (KAAD) statt. 

Dieser Text wurde am 31. Mai 2026 als Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht.

Hier finden Sie das Programm der Jahrestagung 2025.

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