Zum 30. September 2026 endet nach fünfzehn Jahren die Amtszeit von Prof. Dr. Georg Braungart als Leiter der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk. So lange wie er war bislang niemand in dieser Funktion tätig. Mit seinem Abschied geht eine außergewöhnlich prägende Ära zu Ende.
Als Professor für Neuere deutsche Literatur an den Universitäten Regensburg und Tübingen und Leiter des Cusanuswerks hat Georg Braungart Forschung, Lehre und kirchliches Engagement in eindrucksvoller Weise verbunden und die katholische Begabtenförderung in Deutschland maßgeblich geprägt. Seit seiner Ernennung zum Leiter zum 1. Oktober 2011 stand im Mittelpunkt seines Wirkens, das Cusanuswerk zugleich inhaltlich zu profilieren und behutsam weiterzuentwickeln.
Seit seinem Amtsantritt hat Professor Braungart die Bischöfliche Studienförderung mit klarer Haltung und großer menschlicher Zugewandtheit geleitet. Im Zentrum seines Engagements standen immer die Geförderten: ihre fachliche Exzellenz, ihre Persönlichkeitsbildung und ihre Suche nach einer verantwortlichen Rolle in Kirche und Gesellschaft. Immer wieder hat er betont, dass im Cusanuswerk eine „kooperative Elite“ heranwächst, die sich nicht abgrenzt, sondern ihre Begabung als Auftrag versteht, sich in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen. Zentral war für ihn, dass das Cusanuswerk eine religiöse Heimat für katholische junge Menschen in der ganzen Bandbreite ihrer Frömmigkeitsformen und weltanschaulichen Orientierungen ist und zur Institution der katholischen Kirche ein konstruktives und produktives Verhältnis pflegt. Das klare Bekenntnis zur Leistung war ihm genauso wichtig wie ein Geist des Wohlwollens gerade bei scheinbar gegensätzlichen Positionen und Lebensorientierungen.
Ein besonderes Anliegen waren ihm die Künstlerinnen und Künstler sowie die Musikerinnen und Musiker im Cusanuswerk. Er hat ihre Arbeit als eigenständige, unverzichtbare Form der Wahrheits- und Sinnsuche verstanden. Mit großem Einsatz hat er dafür geworben, dass künstlerische und musikalische Begabungen im Cusanuswerk Raum, Sichtbarkeit und Förderung erhalten, hat sich der Anliegen der Geförderten angenommen und sie über lange Jahre aufmerksam und interessiert begleitet. Georg Braungart und der Generalsekretär Dr. Thomas Scheidtweiler gehörten zu den Ersten, die sich sehr engagiert für ein Förderprogramm für Auszubildende im Cusanuswerk eingesetzt haben.
Professor Christoph Knecht, Kontaktdozent und Mitglied des Auswahlgremiums für Studierende an Kunsthochschulen betont: „Ich habe Professor Braungart oft in den Sitzungen der Jury für die Künstlerauswahl erleben dürfen und seine respektvolle, neugierige und vor allem offene Auseinandersetzung mit den künstlerischen Positionen immer sehr geschätzt. Diese Offenheit, verbunden mit großer Ernsthaftigkeit in der Sache, aber ebenso mit Humor und Warmherzigkeit, hat die gemeinsame Arbeit auf besondere Weise geprägt. Diese Haltung habe ich persönlich wie auch für unser Gremium als große Bereicherung empfunden. Für seinen weiteren Weg wünsche ich ihm von Herzen alles Gute und weiterhin inspirierende Begegnungen.“
Professor Braungarts Engagement für das Cusanuswerk verbindet dynamisches Wachstum und Werteorientierung. Die Förderung einer Kultur der Vielfalt und des Vertrauens liegt ihm besonders am Herzen. Georg Braungart hat das Cusanuswerk als einen Ort verstanden, an dem unterschiedliche Lebenswege, Studienfächer, Weltzugänge und Frömmigkeitsformen ihren Platz haben. Vielfalt war für ihn kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis: in der Auswahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten, in der Gestaltung der Bildungsangebote und in der Ermutigung zu offenem, fairem und theologisch wie intellektuell anspruchsvollem Dialog.
Prägend für seine Amtszeit war auch sein Verständnis des Cusanuswerks als geistige und religiöse Gemeinschaft. Das Cusanuswerk sei für ihn „ein Netzwerk, das von Vertrauen und Wohlwollen geprägt ist, von dem Willen, Polarisierungen zu überwinden und den gemeinsamen Glauben auch gemeinsam zu leben“, schreibt er im Jahresbericht des Cusanuswerks 2024. Diese Überzeugung hat seinen Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den ehrenamtlichen Gremien sowie den Stipendiatinnen und Stipendiaten grundlegend bestimmt.
„Herr Braungart war und ist für mich eine neugierige, zugewandte und vor allem bodenständige Person, die ganze Fördergenerationen vom Neuaufgenommenenwochenende bis zur feierlichen Verabschiedung auf der Jahrestagung und darüber hinaus begleitet und geprägt hat. Er ist für uns Stipendiatinnen und Stipendiaten die zentrale Identifikationsfigur und symbolisiert wie kein Zweiter die Werte des Cusanuswerks: Offenheit, Diskussionsfreudigkeit und natürlich Katholisch-Sein.“, fasst die Stipendiatin Carla Vogeler zusammen.
Wer mit ihm zusammengearbeitet hat, weiß um seine große Bereitschaft, sich einzubringen, die weit über das Erwartbare hinausgeht. Ob in Gesprächen mit Geförderten und Ehemaligen, in Gremiensitzungen, in der inhaltlichen Gestaltung des Bildungsprogramms, in der Kommunikation mit Spenderinnen und Spendern oder in vielen persönlichen Begegnungen: Georg Braungart hat sich mit Zeit, mit Aufmerksamkeit und mit spürbarer Leidenschaft für die Belange „seines“ Cusanuswerks engagiert.
„Die Zusammenarbeit mit Georg Braungart war für mich vor allem von tiefem und freundschaftlichem Vertrauen geprägt“, sagt der Generalsekretär Dr. Thomas Scheidtweiler. „Vertrauen ist ein anspruchsvolles Prinzip der Begabtenförderung, zumal der katholischen, und der Philanthropie überhaupt. Georg Braungarts Leitungsstil war von diesem Grundprinzip getragen. Er hat damit sehr viel Wachstum ermöglicht – menschlich wie auch institutionell.“
Das Cusanuswerk dankt Prof. Dr. Georg Braungart von Herzen für fünfzehn Jahre intensive und treue ehrenamtliche Arbeit. Sein Beitrag zur Profilbildung des Cusanuswerks, zur Förderung zahlreicher junger Katholikinnen und Katholiken und zur Stärkung von echter Vielfalt und einer Kultur des wertschätzenden Miteinanders im Cusanuswerk wird weit über seine Amtszeit hinaus wirksam bleiben.
Wir wünschen Georg Braungart, dass Gottes Segen ihn auch auf seinem weiteren Weg begleite, und freuen uns, ihm auch künftig eng verbunden zu bleiben.
Hier finden Sie ein Interview der KNA mit Professor Braungart: “Scheidender Cusanuswerk-Leiter: Bildung ist mehr als Umgang mit KI”





