Cusanus Lecture 2026 zum 90. Geburtstag von Professor Dr. Ludger Honnefelder

Seit 70 Jahren eröffnet das Cusanuswerk jungen Menschen Räume, in denen Glaube, Begabung und Verantwortung zusammenfinden. Im Jubiläumsjahr rückt die Bischöfliche Studienförderung daher das Thema „Freiheit“ in den Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen. Ein Höhepunkt des Jahres war die Cusanus Lecture am 11. September 2026 in Bonn – zugleich eine Würdigung zum 90. Geburtstag von Professor Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Ludger Honnefelder, der das Cusanuswerk von 1982 bis 1991 leitete. 

Prof. Dr. Georg Braungart, Leiter des Cusanuswerks, eröffnete die Netzwerkveranstaltung im Universitätsclub Bonn. In seiner Einführung ging er aus von dem Wort des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer, der wenige Tage zuvor beim Michaelsempfang in Berlin gesagt hatte:  „Wahrheit ist die Infrastruktur der Freiheit.“ Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte und Vorgeschichte der Wissenschaftsfreiheit brachte die zentralen Forschungsthemen des Jubilars in Erinnerung: die hochmittelalterliche Philosophie und Theologie (als Manifestation der frühen ‚akademischen Freiheit‘), aber ebenso seine aktuellen Forschungs- und Diskussionsbeiträge zur Bioethik. Hier habe Honnefelder in seiner engagierten Beteiligung an teilweise hitzigen Debatten gezeigt, wie unverzichtbar Wissenschaftsfreiheit ist. Darin liege die Verbindung zur Aufgabe des Cusanuswerks auch in seinem 70. Jahr, begabte junge Menschen zur ‚Einübung in Freiheit‘ zu ermuntern.

Ihm folgte der Festvortrag von Prof. Dr. Heinz Bude, Soziologe und emeritierter Professor an der Universität Kassel: Unter dem Titel „Erfahrung der Freiheit“ konstatierte er, dass in der Gegenwart disruptive Handlungsweisen die Vorstellung von Freiheit bestimmen. Die 'Freiheit nach vorn' und das Bedürfnis nach freiem Raum seien stärker als jede Loyalität. Frei werde man in diesem Kontext, wenn man für sich selbst sorge. Die mittelbare Freiheit sei aus dem Blickfeld geraten, die unmittelbare dominiere das Bewusstsein. Davon ausgehend skizzierte Heinz Bude unter Rückgriff auf den im 20. Jahrhundert sehr einflussreichen französischen Philosophen Alexandre Kojève, in welchen Dimensionen Freiheit als gesellschaftliches Projekt im Geschichtsprozess bei aller Erosion und Depravation entwickelt und realisiert werden kann.

In seiner Response auf den Festredner betonte Professor Honnefelder die gesellschaftliche und kulturelle Rolle begabter junger Menschen und verwies dazu auch auf die ‚frohe Botschaft‘ des Christentums. Rund 100 Gäste aus Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft diskutierten im Anschluss angeregt mit Prof. Bude und dem Jubilar. Musikalisch gerahmt wurde das Programm durch den Akkordeonisten Leo Herzog, ehemaliger Stipendiat der Förderung junger Musiker im Cusanuswerk und Preisträger des Maria-Ladenburger-Förderpreises für Musik. Die Moderation übernahm gekonnt Ina Rottscheid vom Deutschlandfunk und Domradio. 

Als langjähriger Leiter des Cusanuswerks und als Mitglied des Beirats prägte Professor Honnefelder die Arbeit der Bischöflichen Studienförderung maßgeblich mit. Er ist weiterhin Mitglied des Cusanuswerk e.V. Rund 20 Jahre wirkte Professor Honnefelder zudem als Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Begabtenförderung Cusanuswerk und engagiert sich seit 2023 als Mitglied des Kuratoriums.

Das Format der Cusanus Lecture fand bereits zum vierten Mal statt und wird ehrenamtlich von den Altcusanern Prof. Dr. Thomas Heinemann, Dr. Thomas Jaschke und Dr. Rudolf Teuwsen organisiert. Die Lectures stehen unter dem Thema „Glaube, Ethos und Gesellschaft“ und bieten aktuell und ehemals Geförderten des Cusanuswerks eine Plattform zum Austausch und Dialog.

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