Über zwei Jahre war dieses Projekt eine Idee. Entstanden aus dem “Preis für innovative Netzwerkideen – gefördert von der Evonik Stiftung” des Cusanuswerks, gewachsen in unzähligen Gesprächen. Jetzt stehe ich in Sarajevo und die Stadt ist wirklich da: die Berge, die Minarette neben den Kirchtürmen, der Geruch von frischem Kaffee auf der Baščaršija. Seit dem 22. März sind wir hier, zwölf Stipendiatinnen und Stipendiaten der Künstlerförderung des Cusanuswerks und vier bosnische Künstlerinnen und Künstler. NEIGHBOURHOODS ist kein Plan mehr, sondern Wirklichkeit.
Gleich am ersten Abend waren wir unterwegs, angekommen in einer Stadt, die sich weiterbewegt. In einem alten Kino, umgeben von Musik und ausgelassener Stimmung, spürten wir den eigenen Rhythmus Sarajevos. Ein Ort, an dem die Menschen sich die Freude zurückgeholt haben, während die Einschusslöcher an den Wänden leise auf die Vergangenheit verweisen. Bei einer Architekturführung erlebten wir diese der Stadt ganz eigene Zeitlichkeit weiter: von den neuen Hochhäusern und Einkaufszentren über die österreichisch-ungarischen Prachtbauten bis zu den niedrigen osmanischen Holzhäusern in den Hügeln. Sarajevo ist eine Stadt, in der sich Jahrhunderte verschränken und überlagern.
Organisiert wird das Programm gemeinsam mit Kuma International, einem Sarajevoer Forschungszentrum an der Schnittstelle von Kunst, Erinnerung und Konfliktbearbeitung. Unser Arbeitsort ist Crvena, ein unabhängiger Kunstraum mitten in der Stadt. Von hier besuchen wir Ateliers, treffen Künstler/innen wie Aida Šehovič und Lejla Odobašić Novo, besuchen die Kunstakademie Sarajevos und nehmen bei einem Sound Walk mit Haris Sahačić die Stadt mit offenen Ohren wahr.
Was mich am meisten berührt, sind die Abende. Nach Workshops und Führungen sitzen wir zusammen, kochen, reden, hören zu. Zwischen den deutschen und bosnischen Teilnehmenden entstehen Gespräche: offen, neugierig, manchmal tastend. Es wachsen erste Ideen für gemeinsame Arbeiten, die im Herbst in Düsseldorf ausgestellt werden sollen.
Ein Besuch des Museums und Gedenkorts an den Srebrenica-Genozid steht uns noch bevor.
Zwei Jahre Planung und jetzt dieser eine Moment: 16 Menschen aus zwei Ländern, die anfangen, gemeinsam hinzuschauen.
Auf einen Blick
Projekt: NEIGHBOURHOODS. BiH x GER – transnationales Kunst- und Austauschprojekt
Zeitraum und Ort: 22. bis 29. März 2026, Sarajevo, Bosnien und Herzegowina
Teilnehmende: 12 Stipendiat/innen der Künstlerförderung des Cusanuswerks, 4 bosnische Künstler/innen
Partner vor Ort: Kuma International, Crvena (Sarajevo)
Entstanden aus: Preis für innovative Netzwerkideen – gefördert von der Evonik Stiftung
(Text: Fabian Raphael Sokolowski; Fotos: Camilla Angolini)