2720 Psalmen. Jüdisch-christliches Chorwochenende

Datum: 06.11. - 08.11.2020

Ort: Berlin

Leitung: Alina Gehlen, Benjamin Mausolf, Ohad Stolarz - Geistliche Begleitung:



Inhalte der Veranstaltung

Im Rahmen dieses Chorwochenendes wollen wir gemeinsam mit Stipendiatinnen und Stipendiaten des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerkes (ELES) den Psalmen als Ursprung und Quelle musikalischen Gebets auf den Grund gehen. Sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen Liturgie nehmen die Psalmen eine zentrale Position ein und sind über die Jahrhunderte auf zahlreiche Weisen vertont worden. Ausgehend vom Synagogalgesang entwickelten sich im frühen Mittelalter die gregorianischen Psalmtöne des Oktoechos, die durch ihre Formelhaftigkeit eine meditative Betrachtung der Psalmen eröffnen. Im Barock erschienen erste Kirchengesangbücher in Form von Psaltern, die eine Liedvertonung eines jeden der 150 Psalmen enthielten. Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierte auf der Grundlage des 150. Psalms sogar eine ganze  Symphoniekantate, den „Lobgesang“. In der jüdischen Tradition werden die Psalmen tagtäglich im Gebet deklamiert. Der masoretische Text der hebräischen Bibel beinhaltet Te‘amim – Kantillationszeichen – die u.a. als melodische Neumen interpretiert werden. Die Deklamation der Psalmen nach den masoretischen Te’amim hat sich durch die Jahrhunderte in diversen, lokalen Traditionen entwickelt, die bis auf dem heutigen Tag als Grundstein der musikalischen Synagogaltradition dienen. Darüber hinaus wurden die Psalmen mehrfach von jüdischen Komponisten vertont, für den Gottesdienst oder für die Konzertbühne, mit einer bewussten Beziehung auf die traditionelle Kantillation oder frei nach Inspiration der Volksmusik des Umlands. Für Chor haben diverse historische Komponisten wie Salamone Rossi, Salomon Sulzer, Louis Lewandowski und viel anderen, die Psalmen vertont und nach dem Geschmack ihren jeweiligen Gemeinden und Zeiten adaptiert. Wir wollen an diesem Wochenende ausgewählte Psalmvertonungen und weitere textlich spannende Chorwerke erarbeiten und uns daneben auch mit den entsprechenden Kontexten in der katholischen und in der jüdischen Liturgie auseinandersetzen. Uns sind sowohl fortgeschrittene Sängerinnen und Sänger als auch Chorneulinge willkommen, die Kürze der Probenzeit setzt allerdings einen gewissen Anteil an Erfahrenen voraus.

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