In einer der zentralen Szenen des Nibelungenlieds betreten Kriemhild, Königin von Xanten und die Frau Siegfrieds sowie Brünhild, Königin von Burgund und die Frau Gunthers gleichzeitig den Kirchplatz. Die Streitfrage, welche von ihnen zuerst das Münster betreten darf, um an der Messe teilzunehmen, setzt die Katastrophe in Gang, die bald zu Siegfrieds Tod und letztlich zum Untergang der Burgunden führt. In dieser maßgeblich von christlicher Symbolik geprägten Szene sind die Probleme und Einflüsse des zum deutschen Nationalepos stilisierten Textes kondensiert. Das Nibelungenlied gehört zu den wirkmächtigsten Texten der deutschen Literaturgeschichte. Doch was wissen wir eigentlich über dieses so vielfältig rezipierte Werk aus dem 13. Jahrhundert? Was sagen uns die Geschichte, ihre Protagonistinnen und Protagonisten sowie ihre Entstehung über das Verhältnis und den Zugang zum Christentum in der damaligen Gesellschaft? Was können wir aus der Lektüre für unsere heutige Zeit mitnehmen? An einem Lesewochenende mitten im Nibelungenviertel in Mehlem wollen wir uns gemeinsam auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen begeben und das Werk in seinen gesellschaftlichen, religiösen und literaturhistorischen Kontext einordnen. Das Nibelungenlied, im 19. Jahrhundert durch Richard Wagners Opernadaption zum Nationalepos erhoben und einem breiten Publikum bekannt geworden, stellt vielfältige und grundlegende Fragen. Wir möchten dieses vielschichtige Epos an diesem Wochenende bewusst lesen im Licht christlicher Werte wie Glaube, Liebe und Treue.
Beginn: Donnerstag, 01. Oktober, 18.00 Uhr
Ende: Sonntag, 04. Oktober 2026, 13.00 Uhr



