Graduiertentagung IV – 2019/20
Ohne Plüsch und Fransen. 100 Jahre Bauhaus

Datum: 23.10. - 27.10.2019

Ort: Akademie Franz Hitze Haus - 48149 Münster

Leitung: Dr. Ingrid Reul - Geistliche Begleitung: Nicole Schubert

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

„Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerker.“
Walter Gropius: Bauhaus-Manifest (1919)

„Ein Ding ist bestimmt durch sein Wesen. Um es so zu gestalten, dass es richtig funktioniert – ein Gefäß, ein Stuhl, ein Haus –, muss sein Wesen zuerst erforscht werden; denn es soll seinem Zweck vollendet dienen, d. h. seine Funktion praktisch erfüllen, haltbar, billig und ‚schön‘ sein.“
Walter Gropius: Grundsätze der Bauhausproduktion (1925)


Viele Gebrauchsgegenstände, die wir heute als „Design-Klassiker“ kennen (und auch nach 100 Jahren noch kaufen können), sind in den Bauhaus-Werkstätten entstanden: die legendären Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer, die Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld und das Teeservice von Marianne Brandt, um nur einige zu nennen.

Eine ebenso kreative wie energiegeladene Aufbruchstimmung prägte das „Staatliche Bauhaus“ und seinen Gründer Walter Gropius, der 1919 bedeutende Künstler und Architekten nach Weimar holte. Seine Hochschule für Gestaltung verstand sich als eine Art Zukunftswerkstatt und als Ver-mittlungsinstitution der Moderne und wurde schnell zu einem der Zentren europäischer Avantgarde, anfangs beeinflusst von der Lebensreformbewegung und vorbereitet von Henry van de Veldes Kunstgewerbeschule. Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky, Lyonel Feiniger, Paul Klee, Johannes Itten und andere gehörten zu den Lehrenden der ersten Stunde.

Gegen das als funktionslos, überladen und beengend empfundene Dekorative der Jahrhundert-wende, das Gropius als „Salonkunst“ bezeichnete, setzte man einen schlichten, schnörkellosen, funktionalen Stil, der einem freieren Lebensgefühl buchstäblich Raum geben sollte. „Form follows function“: Das Bauhaus hat diesen Satz zwar nicht erfunden, aber konsequent umgesetzt. Dazu wurde ein interdisziplinärer Ansatz gelehrt; Handwerk, Architektur und Kunst sollten eine Einheit bilden, jeder Gebrauchsgegenstand sollte – so die Vision – „einfach“ sein, handwerklich und ästhetisch dem Geist der Zeit entsprechen und diesen mitprägen. Damit waren vor allem Fragen der industriellen Herstellung von Alltagsgegenständen verbunden. Neu entwickelte Formen sollten im industriellen Produktionsprozess herstellbar – und damit auch massentauglich – sein. Ist dies zum einen eine technische Frage, so impliziert sie zum andern auch eine Demokratisierung, denn eines der Anliegen bestand darin, bezahlbare Produkte für alle zur Verfügung zu stellen. Die konkrete industrielle Umsetzung der Projekte wurde vor allem nach dem Umzug des Bauhauses nach Dessau im Jahr 1925 realisierbar. In der Ausstellung „die volkswohnung“ zeigte das Bauhaus 1929 sogar ganze Wohnungseinrichtungen, die auf engem Raum alles Nötige bereitstellen. (Dass das Konzept einer wirklich kostengünstigen Produktion nur selten umsetzbar war, zeigte sich erst im Laufe der Jahre.)

Innovativ waren aber nicht nur die Konzepte zu den Werkstücken selbst, sondern auch die Anforderungen an die kreative interdisziplinäre Zusammenarbeit. Vor allem Hannes Meyer, Bauhausdirektor von 1928 bis 1930, legte großen Wert auf kollektive Gestaltungsprozesse.

Die nachhaltige Wirkung des Bauhauses ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass es nur 14 Jahre bestand: Seine Entstehung fällt zusammen mit dem Beginn der Weimarer Republik; schon 1932 beschloss die Dessauer Stadtversammlung mit einer nationalsozialistischen Mehrheit, die Hochschule zu schließen. Die internationale Weiterentwicklung hatte aber durch die bis dahin geknüpften Verbindungen bereits eingesetzt und wurde durch die Emigration vieler Bauhaus-Mitglieder noch verstärkt.

Und heute? Welche Aspekte prägen unsere Rezeption? Zahlreiche Veranstaltungen und Projekte sind im Jahr 2019 dem Bauhaus-Jubiläum gewidmet; welche Themen stehen im Mittelpunkt des Interesses und was kann uns über die historische Betrachtung hinaus inspirieren? Die Graduiertentagung soll nicht nur die Arbeit des Bauhauses vorstellen, sondern auch der Frage nachgehen, ob und wie der experimentelle Ansatz, der vor 100 Jahren Kunst und Design mit einer neuen Lebenswirklichkeit in Einklang bringen sollte, für unsere Gegenwart – und damit unter ganz anderen Vorzeichen – nutzbar gemacht werden kann.

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