Graduiertentagung III – 2020/21
Gott suchen – Gott schauen. Mystik im Christentum

Datum: 21.10. - 25.10.2020

Ort: CJD Bonn Castell - 53117 Bonn

Leitung: Dr. Claudia Schmitz - Geistliche Begleitung: Susanne Wübker

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Mystische Erfahrungen gibt es in allen Epochen und sie stellen eine Intensivform der Religion dar. Bei solchen Erfahrungen handelt es sich im alltäglichen Sprachgebrauch um spirituelle Erlebnisse, die sich nicht wissenschaftlich erklären lassen und seit der Antike eine Faszination auf die Menschen ausüben.

Auf der Suche nach Gott will der Gläubige die mystische Erfahrung der göttlichen Wirklichkeit machen – eine Erfahrung im Erleben, d. h. er schaut Gott. Beispiele für das Erleben göttlicher Wirklichkeit sind Visionen/Auditionen, ekstatische Erlebnisse und Gotteserfahrungen, wie sie von Mystikerinnen und Mystikern wie Franz von Assisi, Hildegard von Bingen, Gertud die Große von Helfta, Meister Eckhart und nicht zuletzt vom Namensgeber des Cusanuswerks, Nikolaus von Kues, beschrieben werden.

Der Begriff ‚Mystik‘ geht dabei zunächst auf das altgriechische Wort mystikós („geheimnisvoll“) oder auf myein („die Augen/den Mund schließen“) zurück. Mit geschlossen Augen und schweigend kann der Mensch das Transzendente, das Göttliche und/oder die absolute Gesamtwirklichkeit suchen. Für die Suche bedarf es in den verschiedenen Religionen der Vorbereitung des Geistes – vor allem durch Gebet, verschiedene Konzentrationstechniken (z. B. Meditation, Yoga), Askese oder die Lektüre und Rezitation der Heiligen Schrift, der Tora oder bestimmter Stellen des Korans.

Das Einswerden mit Gott ist im Christentum, Islam und Judentum die mystische Erfahrung schlechthin. Religionen wie der Buddhismus hingegen, die auf das Konzept eines personalen Gottes verzichten, schildern mystische Erfahrungen als Leere, die zugleich tiefes Eins-Sein ist.

In der Graduiertentagung gehen wir nach einer Einführung in die Geschichte der Mystik auf die Spurensuche der verschiedenen Glaubenserfahrungen und -berichte – dabei liegt der Schwerpunkt auf christlichen Mystiker(inne)n. Wir werden zudem vergleichbare mystische Erfahrungen anderer Religionen kennenlernen und dies als Einladung zum interreligiösen Austausch annehmen.

Grundsätzliche Fragen, die uns beschäftigen werden, sind: Was ist Mystik und was sagen Texte und Erfahrungen jüdischer, christlicher und muslimischer Mystiker über das Verhältnis zwischen Gott und Mensch aus? Worin bestehen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den verschiedenen Religionen, um sodann zu fragen, was das Spezifische der christlichen Mystik ist?

Neben literarischen Traditionen werden wir uns auch mit musikalischen, künstlerischen und meditativen Formen der Mystik auseinandersetzen. Wie groß das Interesse an diesen Formen heute ist, zeigen nicht zuletzt die vielen Yoga-, Meditations-, Mantra- und Achtsamkeitskurse, wie sie derzeit angeboten werden.

Pastoraltheologisch soll geklärt werden, welche Bedeutung die Mystik für uns heute hat und ob der oben beschriebene „Kontemplation-Lifestyle-Trend“ eine Loslösung spiritueller Erfahrungsräume von der Institution Kirche oder vielmehr eine Hinwendung zu einer neuen Religiosität darstellt, die in kirchliche Kontexte integriert werden kann.

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