Graduiertentagung II / 2020-21
Im "Haus der Weisheit". Philosophische Denker und Diskurse in der islamisch geprägten Welt

Datum: 14.10. - 18.10.2020

Ort: Jugendbildungsstätte Haus Altenberg - 51519 Odenthal-Altenberg

Leitung: Dr. Matthias Vogl - Geistliche Begleitung: Dr. Milan Wehnert

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Bagdad als „Hauptstadt der Wissenschaften“ – lange (zu lange) mag man versucht gewesen sein, hinter diese Aussage ein Fragezeichen zu setzen. Die historiographische und philosophische Fachdiskussion, die sich mit dem Jahrtausend befasst, das immer noch „Mittelalter“ genannt wird, hat indessen in einem regelrechten Boom internationaler und interdisziplinärer Forschungsarbeit in den letzten etwa zwei Jahrzehnten gezeigt, welch beträchtliches Potenzial das Denken in der islamisch geprägten Welt aufweist.

So kommt islamischen Gelehrten im Frühmittelalter z. B. eine immense Bedeutung für die Übertragung antiker Wissensbestände in neue (andere) systematische Kontexte zu (Stichwort ‚Wissenstransfer‘): Durch die Übersetzungen antiker Schriften, die islamische Denker anfertigten, sowie durch ihre subtilen Kommentierungen dieser Schriften wurde ‚altes‘ (philosophisches, medizinisches, mathematisches) Wissen ‚erneuert‘ bzw. überhaupt erst zugänglich.
Lassen Sie uns während der Graduiertentagung also gemeinsam in das „Haus der Weisheit“ eintreten und im „Philosophiezimmer“ Platz nehmen. Übrigens stammt der Begriff „Haus der Weisheit“ (bait al-ḥikma) aus den Quellen selbst und bezeichnete eine Art Akademie, die im neunten Jahrhundert von dem Abbasiden-Kalifen al-Ma'mūn in Bagdad gegründet wurde.

Philosophiegeschichtlich hatten die Arbeiten islamischer Gelehrter – wie bspw. von al-Kindī, al-Fārābī und deren Nachfolgern – allerdings nicht nur eine räumliche oder zeitliche Brückenfunktion – sie sind nicht rein ‚konservatorisch‘; sondern es wurden vielmehr auch eigene, originäre Denkkonzepte entwickelt, die es zu kennen und zu diskutieren lohnt. Schon Avicenna wusste: „Durch starkes Denken kann man ein Kamel zu Fall bringen.“ Wissen will also – so eine Interpretation dieses Bonmots – stets auch wirken, will etwas verändern, gestalten.

Aus unserer heutigen Perspektive auf die islamische Welt – aber auch bereits für die damaligen Autoren selbst – erscheint ganz besonders die Frage nach dem Verhältnis von Philosophie und Religion (Glauben und Vernunft) interessant und relevant.

Ob man nun von „arabischer Philosophie“, „islamischer Philosophie“ oder von „Philosophie in der islamisch geprägten Welt“ spricht – wobei die Frage, ob diese Begriffe überhaupt synonym zu gebrauchen sind, eigens diskutiert werden muss: Im Fokus der Graduiertentagung stehen die Denker und Diskurse bis in die Neuzeit.

Wer war Avicenna, nach dem auch das Begabtenförderungswerk für Studierende muslimischen Glaubens in der Bundesrepublik benannt ist? Kennen Sie vielleicht schon das Buch „Kritik der arabischen Vernunft“?

Die Graduiertentagung verspricht Ihnen einen Gewinn an Erkenntnis und Wissen, der Ihnen im oft spannungsgeladenen Dialog der Kulturen weiterhelfen wird.

 

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