Graduiertentagung I – 2020/21
Tanz auf dem Vulkan. Die Zwanziger Jahre

Datum: 07.10. - 11.10.2020

Ort: Jugendherberge Duisburg-Sportpark - 47055 Duisburg

Leitung: Dr. Ingrid Reul - Geistliche Begleitung: Dr. Stefan Voges

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

„Unser bewusstes Leben begann in einer Zeit beklemmender Ungewissheit.
Da um uns herum alles barst und schwankte, woran hätten wir uns halten,
nach welchem Gesetz uns orientieren sollen?
Die Zivilisation, deren Bekanntschaft wir in den zwanziger Jahren machten,
schien ohne Balance, ohne Ziel, ohne Lebenswillen, reif zum Ruin, bereit
zum Untergang.“
Klaus Mann: Der Wendepunkt. Ein Lebensbericht (1942)


Das klingt nicht gut, oder? Warum faszinieren uns die zwanziger Jahre trotzdem so sehr, dass eine Serie wie „Babylon Berlin“ Zuschauerrekorde erzielt?

Der Tanz auf dem Vulkan, die forcierte Sorglosigkeit angesichts großer Gefahren geht uns anscheinend etwas an. Die „Goldenen Zwanziger“ haben sich selbst zum Mythos gemacht. Dabei handelt es sich um ein Jahrzehnt, das von tiefen Ambivalenzen geprägt ist – politisch, kulturell und wirtschaftlich.

Die Weimarer Republik bot ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten in der parlamentarischen Demokratie, die Presse war so frei wie nie zuvor in Deutschland. Auch wenn die politische Debatte von den Nachwirkungen des ersten Weltkriegs und von der Unzufriedenheit mit dem Frieden von Versailles geprägt blieb – die politische Krise, die die ersten Jahre nach 1918 geprägt hatte, war zunächst eingedämmt. Technischer Fortschritt und eine relative wirtschaftliche Stabilität führten einen allgemeinen Aufschwung herbei, der allerdings 1929 mit der Weltwirtschaftskrise ein jähes Ende fand.

Was wir mit den zwanziger Jahren vor allem verbinden, ist die Intensität kulturellen Lebens, die die vielfältigsten Avantgarde-Bewegungen hervorbrachte – und das in einer überhitzten Atmosphäre, die mit allen Tabus zu brechen bereit war. Die „Neue Frau“ eroberte die Arbeitswelt, die Sportplätze und die Boulevards; die Mode löste sich vom Korsett und gab neue Bewegungsmöglichkeiten. Allerdings war diese Freiheit ein Minderheitenphänomen; das Elend der Arbeiter, die Not der Hinterhöfe brachte soziale Probleme hervor, die in einem krassen Gegensatz zu den Flapper Girls, den Jazzpianisten und den Besuchern der neuen Kinopaläste standen. Zudem konzentrierte sich das exzessive Leben auf die Metropolen – in Deutschland ganz besonders auf Berlin.

Die ambivalente Entwicklung der „Roaring Twenties“ spiegelt die Unsicherheit und den Lebenshunger einer durch den ersten Weltkrieg aus der Bahn geworfenen Jugend wider, die Gertrude Stein als „lost generation“ charakterisierte. Aber ist diese Entwicklung nur aus historischer Sicht interessant? Oder gibt es Tendenzen, die wir 100 Jahre später auch kennen?

Kulturpessimismus, Politikverdrossenheit und die Flucht in den Hedonismus sind uns allen doch gar nicht so fremd. Bringen Sie Ihr Lebensgefühl mit in diese Tagung! Wir werden eine Zeitreise in die zwanziger Jahre unternehmen und überraschende Begegnungen machen.

Zum Seitenanfang