Graduiertentagung III – 2021/22
Gönn Dir! Philosophie des Luxus

Datum: 20.10. - 24.10.2021

Ort: Jugendbildungsstätte Haus Altenberg - 51519 Odenthal-Altenberg

Leitung: Dr. Ingrid Reul - Geistliche Begleitung: Susanne Wübker

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

„Von Tag zu Tag fällt es mir schwerer, auf dem Niveau meines blauen Porzellans zu leben.“
Oscar Wilde (1854–1900) zugeschrieben

Dass ausgerechnet Oscar Wilde, einer der berühmtesten Vertreter des Ästhetizismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, den materiellen Luxus ironisiert, mag zunächst überra-schen, doch bei aller Leichtigkeit der Formulierung schwingt hier die Reflexion auf das Verhältnis von Lebensstil und Selbstkonzept mit – und damit die immer aktuelle Frage nach der Interpretation und auch nach der Wertung dessen, was als „Luxus“ gilt.

„Luxus“ ist ein schillernder Begriff, dessen Definition sich je nach kulturellem und sozialem Kontext im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert und der gleichzeitig sehr häufig mit einer moralischen Wertung verbunden ist. Was damit bezeichnet wird, ist immer etwas Be-sonderes – etwas, das nicht jeder erreichen kann, das über das Notwendige hinausgeht und das sowohl exklusiv als auch inklusiv verstanden werden kann: exklusiv, weil es nur wenigen zugänglich ist und diese wenigen von der Masse abhebt, inklusiv, weil es als identitätsstiftend verstanden werden kann und die Zugehörigkeit zu einer sozial herausgehobenen Gruppe ermöglicht. Eine Begriffsdefinition fällt auch deshalb schwer, weil die Einschätzung, was als Luxus empfunden wird, höchst subjektiv ist.

Schon das lateinische Wort „luxus“ hat positive und negative Konnotationen – nämlich einer-seits „Pracht“ und andererseits „Verschwendung“ –, was sich in der antiken Philosophie durchaus nachverfolgen lässt. Die christliche Tradition versteht „luxuria“ als Genuss- und Verschwendungssucht und damit als eine der sieben Todsünden.

Und wir?
Materiell verstanden, hat Luxus mit Konsum, Besitz und Geld zu tun, unabhängig davon, ob der Wert einer Ware durch ihre Qualität und besonders aufwendige Herstellungsprozesse gerechtfertigt ist oder durch eine rational nicht begündbare Lust am Konsumieren als Selbst-zweck. Lifestyle und Labels gehören dann insofern zusammen, als sie einen Konsens über das Erstrebenswerte voraussetzen, mit Statussymbolen Außenwirkung und Prestige hervorbringen.

Immateriell geht es dabei zunächst um Ästhetik, um die Freude an schönen Dingen; diese Motivation verbindet sich aber nicht selten mit dem eigenen Lebensgefühl, mit Selbstkonzepten und Identitätsstiftung. Wer sich etwas „gönnt“, belohnt sich selbst – und fühlt sich damit weniger abhängig von der Akzeptanz der anderen. „Weil ich es mir wert bin“, heißt ein Werbe-slogan, der in diesem Sinne den Konsum als Anerkennung der eigenen Individualität zu legitimieren versucht.

Dennoch ist zu beobachten, dass sich in Teilen unserer Gesellschaft ein anderes Verständnis von Luxus anbahnt – nämlich als grundsätzlicher Gegenentwurf zum Alltag. Lambert Wiesing spricht in diesem Zusammenhang vom Luxus als einer Verweigerungsgeste; Luxus entstehe durch ästhetische Erfahrung und werde dem Funktionalismus der Gesellschaft entgegengesetzt.

Vor diesem Hintergrund ist auch ein Blick auf den Kunstmarkt als Schnittstelle von Geld und Kultur interessant: Ist es Luxus, Kunst zu kaufen? Teuer ist es auf jeden Fall – aber gesellschaftlich ganz anders akzeptiert als der Kauf anderer Dinge.

Unbhängig vom Konsum besteht der neue Luxus vielleicht darin, Freiräume zu schaffen, Zeit zu haben – „quality time“ –, sich der Hektik des täglichen Lebens entziehen zu können, neue Lebensformen zu entdecken. Allerdings: Auch das muss man sich leisten können. Gerade der Minimalismus hat seinen Preis, nicht nur im Design. Haben wir es mit einem Wertewandel zu tun? Ist heute die Besinnung auf das „Wesentliche“ der eigentliche Luxus? Ein solcher Wan-del würde zwar das Ziel, das Erstrebenswerte vielleicht verschieben – vom Überfluss des Ma-teriellen hin zum Schlichten und Einfachen –, hätte aber ebenfalls mit Selbstkonzept und Exklusivität zu tun.

Wir gönnen uns den Luxus einer Graduiertentagung, die diesen Fragen nachgeht – aus philosophischer, psychologischer und soziologischer Perspektive.

 

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