Graduiertentagung IV – 2021/22
Who the f* is Alice? Feministische Debatten aktuell und global

Datum: 27.10. - 31.10.2021

Ort: Kloster Huysburg - 38838 Dingelstedt

Leitung: Sophia Fazio - Geistliche Begleitung: Nicole Schubert

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Dass Feminismus ein Politikum ist, lässt sich kaum bestreiten: Er vertritt gesellschaftlich weitreichende politische Anliegen, er betrifft soziale Ungleichheiten und er bekennt bisweilen eine – im besten wissenssoziologischen Wortsinn – ideologische Haltung. Und er ist längst nicht mehr er, sondern sie (pl.): Unterschiedliche feministische Perspektiven und Strömungen vereinen mitunter nicht allein verschiedene Formen aktivistischer, sondern auch umfassend und in aller akademischen Akribie hermeneutischer Kritik – von Social Science bis Data Science. Um nicht zum modischen Allgemeinplatz zu verkommen oder im Malstrom des Mainstream nivelliert oder kommerzialisiert zu werden (man erinnere sich unter anderem an öffentliche Empörungen wie über die zeitgeistige Vermarktung von „I am a feminist too“ T-Shirts eines US-amerikanischen Mode-Labels), sucht er mitunter die Zuspitzung, um auf strukturelle Geschlechterverhältnisse und -verhängnisse aufmerksam zu machen, die längst über Fragen nach dem sogenannten Gender-Pay-Gap oder der Verantwortung von Vätern in der Kindererziehung hinausgehen. Pointiert also: Darf eine mittelalter weißer Cis-Mann eine Tagung zu Feminismus erarbeiten? Nicht wenige (befreundete!) Aktivistinnen antworten: nein.1 Auch dann nicht, wenn dieser Mann sich selbst als Feminist bezeichnet. Aber kann er das überhaupt sein: Feminist? Und was ist feministisch?

Die Graduiertentagung widmet sich zunächst in historischer Perspektive der Entwicklung des Feminismus bzw. feministischer, politischer Anliegen und der Frauen(rechts)bewegungen, um von dort ausgehend sowohl gegenwärtige gesellschaftliche Debatten „zwischen Widerstand, Subversion und Solidarität“ (vgl. Sperk/Altenberger et. al., Geschlecht, 2020) als auch theoretische Ansätze in den Wissenschaften aufzuzeigen: Exemplarisch werden dabei feministische bzw. feministisch-theoretisch fundierte Zugänge dargestellt, mit denen gesellschaftsrelevante Fragen jenseits einer Engführung der Debatte auf Geschlechterdifferenzen und in so unterschiedlichen Bereichen wie bspw. der Care- oder Technikforschung erschlossen werden können. In der Weitung um integrative Analysen der Intersektionalität wird die Bedeutung feministischer Beiträge für gesellschaftspolitische Herausforderungen wie Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und Rassismus aufgezeigt; transkulturelle Perspektiven auf feministische Fragestellungen weiten, differenzieren und dezentrieren zugleich den Blick und machen die unterschiedlichen, aber bisweilen auch grundlegend gemeinsamen sozialen und (geschlechter-)kulturellen Ausgangspunkte, Verhältnisse und Anliegen feministischer Bewegungen deutlich. 

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1 Es müsse ein divers zusammengesetztes Gremium sein, dass sicherstelle, dass die Tagung ausreichend „diskriminiere“ und somit sämtliche, diverse Stimmen vertreten seien.

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