Ferienakademie 9 – 2019/20
Homo oeconomicus. Wirtschaft und menschliche Entwicklung

Datum: 23.02. - 06.03.2020

Ort: Bildungshaus Landvolkshochschule St. Gunther - 94557 Niederalteich

Leitung: Dr. Esther-Luisa Schuster - Geistliche Begleitung: Dr. Siegfried Kleymann

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Homo Oeconomicus – der Begriff stammt aus den Wirtschaftswissenschaften und wurde erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts als theoretisches Modell für den wirtschaftlich handelnden Menschen verwendet. Hier gilt er als egoistischer, kühl rational agierender und mithin berechenbarer Nutzenoptimierer, der auf der Grundlage vollständiger Informationen seine Entscheidungen trifft. Mit Fortschreiten der experimentellen Wirtschaftswissenschaften wurde indes deutlich, dass der Mensch weder auf der Basis umfassender Informationen noch ausschließlich egoistisch agiert (vgl. bsw. Akerlof/Spence/Stiglitz (2001), The Market for Lemons; Ockenfels (1999), Fairness, Reziprozität und Eigennutz). Somit wandelt sich auch das Bild des wirtschaftlich handelnden Menschen. Von dem rein rationalen Agenten der Wirtschaftswissenschaften wird er zu einem ökonomisch entscheidenden Menschen, dessen Entscheidungskompetenz begrenzt ist und der seinen Nutzen nicht nur in der Gewinnmaximierung sieht, sondern auch weiche Faktoren wie beispielsweise Work-Life-Balance oder Nachhaltigkeit in Betracht zieht. Gebhard Kirchgässner entwickelte aus dem wirtschaftswissenschaftlichen Homo Oeconomicus ein Verhaltensmodell, das auch für die Soziologie nutzbar wird, da es das menschliche Verhalten nicht mit dem Ziel der Berechenbarkeit, sondern auf der Basis einer an der Realität orientierten Modellierbarkeit abbildet (Kirchgässner (1991), Homo Oeconomicus).

Für den Homo Oeconomicus wäre die globalisierte Wirtschaft optimal: Arbeitskräfte, Güter und Rohstoffe werden zu den jeweils günstigsten Bedingungen verteilt und verhandelt. Produktionen werden an die Orte verlegt, an denen Arbeitskräfte und Rohstoffe zu guten Konditionen angeboten werden. Wir profitieren von Technologien und Rohstoffen, die günstig verfügbar sind und damit auch die Endprodukte preiswert machen. Transatlantische Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA sollen den globalen Handel noch einfacher und lohnenswerter machen. Doch gerade hier regt sich Kritik aus unterschiedlichen politischen Lagern. Es besteht die Befürchtung einer ungerechten Umverteilung von Gütern und Arbeitsplätzen, die letztlich die eigene Wirtschaft schwächt, indem beispielsweise Produktionen ausgelagert werden. Zudem nimmt die Sorge um die Belastbarkeit der natürlichen Ressourcen zu und ruft ein Umdenken bei den Käufern hervor. Corporate Social Responsibility und Sustainability sind Schlagworte, die bereits in den 1950er Jahren in den USA aufgekommen sind und die unsere wirtschaftlichen Entscheidungen auch in Zukunft beeinflussen. Neuere Ansätze wie Sharing Economy beispielsweise haben die gemeinsame und damit sparsamere Nutzung von Ressourcen durch Unternehmen zum Ziel.

Auf der Akademie wollen wir der Entwicklung des wirtschaftlich handelnden Menschen nachspüren. Gemeinsam mit Wirtschaftswissenschaftlern, Philosophen und Vertretern der Industrie stellen wir uns dem Kontrast von Ideal und Wirklichkeit in der Sozialen Marktwirtschaft. Hierbei stehen in der ersten Woche neben einem historischen Überblick über Wirtschaftsformen besonders Fragen nach Einflussfaktoren auf wirtschaftliche Entscheidungen im Vordergrund. Die zweite Woche widmet sich den globalen Auswirkungen und Vernetzungen und nimmt auch Streitfragen wie Freihandel und Bankenaufsicht in den Blick. Zudem werden Zusammenhänge von Wirtschaft und menschlicher Entwicklung betrachtet. Wie gewohnt sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen, das Programm mit eigenen Beiträgen zu bereichern und sich im Rahmen von Referaten, Diskussionsrunden usw. einzubringen.

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