Ferienakademie 8 – 2019/20
Endlich nachdenken über Unendlichkeit

Datum: 16.02. - 26.02.2020

Ort: Jugenbildungsstätte Haus Altenberg - 51519 Odenthal-Altenberg

Leitung: Dr. Tobias Davids - Geistliche Begleitung: N.N.

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Was ist das – ,Unendlichkeit‘? „Wenn mich niemand darüber fragt, so weiß ich es; wenn ich es aber jemandem auf seine Frage erklären möchte, so weiß ich es nicht.“ Dies ist die (erste) Antwort des heiligen Augustinus auf die Frage, was die Zeit sei, wie man sie definieren könne (vgl. Bekenntnisse, 397–401, XI, 14). Vielleicht trifft diese Antwort auch (und noch viel mehr?) auf die Frage zu, was sich hinter den Begriffen ,Unendlichkeit‘ oder das ,Unendliche‘ verbirgt.

,Unendlichkeit‘, ,endlich‘ oder ,Unendliches‘ verwenden wir in unserer Alltagssprache tatsächlich meist eher unreflektiert und in einer schillernden Bedeutung. In Situationen, in denen wir auf etwas verweisen wollen, was unermesslich, grenzenlos, nicht enden wollend, unabsehbar groß, ewig, unerschöpflich usw. ist, scheint das Adjektiv ,unendlich‘ (oder auch seine Substantivierungen) bestens zu passen. Das Begriffsfeld hat aber auch in wissenschaftlichen Fachterminologien seinen Platz. Und genau dieser Umstand, dass sich hier nämlich die Alltagssprache sowie hochreflektierte Wissenschaftssprachen gewissermaßen semantisch kreuzen, ist bereits Teil des Problems, wenn man über Unendlichkeit nachdenken will.

Das Thema der Unendlichkeit ist ein hybrides. Neben der (Über-)Kreuzung von Alltagssprache und Fachsprache(n) ist auch relevant, dass es bei den wissenschaftlichen Disziplinen, die sich der Unendlichkeits-Semantik bedienen, um sehr unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen handelt. So hat der Begriff ,Unendlichkeit‘ beispielsweise. in der Theologie seinen Platz, aber auch in der Mathematik und Physik.

Auf der Akademie wollen wir uns aus verschiedenen fachlichen Richtungen mit der Frage beschäftigen, was man unter ,Unendlichkeit‘ versteht und verstehen kann. Dabei werden v. a. die Diskussionsbeiträge aus der philosophisch-theologischen Debatte sowie aus dem Bereich der Naturwissenschaften im Mittelpunkt stehen. So werden wir der Unendlichkeit z. B. im Diskurs über den unendlichen Raum begegnen (Makrophysik, Kosmologie), bei der Frage nach dem Alter der Welt (Ewigkeit versus unendliche Dauer) oder auch in der Diskussion über die Frage, ob das Endliche und das Unendliche vereinbar sind (Theologie [z. B. Inkarnation] und Philosophie). – Dass auch der Namenspatron des Cusanuswerks – Nikolaus von Kues – über die raumzeitliche Unendlichkeit spekuliert hat, werden wir dabei nicht übergehen.

Von besonderem Interesse ist schließlich auch, dass wir, die wir über die Unendlichkeit nachdenken, dies als endliche Subjekte tun. In diesem Sinne denken wir in endlicher Weise über Unendliches nach. Was dies erkenntniskritisch bedeutet – auch dies wird eine Fragestellung auf der Akademie sein.

Gemeinsam mit eingeladenen Expertinnen und Experten wollen wir eintauchen in das (interdisziplinäre) Ringen um die Unendlichkeit, wobei zunächst die Diskussion untereinander auf Basis des je eigenen Vorwissens im Fokus steht. Hierzu eignet sich insbesondere das bewährte Format der Arbeit in Kleingruppen (Workshops), flankiert durch einführende und zusammenfassende Plenarvorträge und Diskussionen. Darüber hinaus sind wie immer alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu eingeladen, sich im Rahmen von Referaten, Diskussionsrunden usw. zum Akademiethema einzubringen.

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