Ferienakademie 7 – 2019/20
"Houston, we have a problem". Technologie und Ökonomie der Raumfahrt

Datum: 15.09. - 27.09.2019

Ort: Schloss Spindlhof - 93128 Regenstauf

Leitung: Franziska Eickhoff - Geistliche Begleitung: Judith Lurweg

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Am 21. Juli 2019 jährt sich die Landung der ersten Menschen auf dem Mond, Neil Armstrong und Buzz Aldrin, zum 50. Mal. Bis heute ist die Euphorie über den „giant leap for mankind“ und die Faszination über die Entdeckung des Weltalls ungetrübt: Astronautinnen und Astronauten wie Alexander Gerst werden als Helden gefeiert, die Landung der Chinesen auf der Rückseite des Mondes im Januar 2019 findet weltweite Beachtung und nicht nur in Deutschland gilt die Raumfahrt als Inbegriff des technologischen Fortschritts und deshalb als Schlüsseltechnologie. Weit davon entfernt, Forschung ausschließlich in luftigen Höhen voranzutreiben, haben die Erkenntnisse und Instrumente der Raumfahrtforschung ganz konkreten Nutzen und einen festen Platz in unserem irdischen Alltag, aus dem weder der tägliche Wetterbericht noch die permanente Verfügbarkeit von Navigations- und Kommunikationssatteliten wegzudenken sind. Dasselbe gilt für Erkenntnisse über Material- und Rohstoffbeschaffenheit, die im Rahmen von Raumfahrtforschung erarbeitet werdenund die die Entwicklung und Konstruktion leichter und sicherer Transportmittel erheblich voranbringen.

Genau hier setzt die Ferienakademie an und rückt die Frage in den Mittelpunkt, welche Auswirkungen die Raumfahrt und Weltraumforschung auf unser Leben auf der Erde hat. Wir wollen uns mit Vorteilen und Erfolgsversprechen, Risiken und Nachteile der Raumfahrt aus politisch-ökonomischer, philosophisch-ethischer sowie praktisch-reflexiver Perspektive näher auseinandersetzen und die ambivalenten Seiten einer Wissenschaft erkunden, die unsere Zukunft absehbar prägen wird.

Ökonomische und politische Dimensionen der Raumfahrt sind mit der eingangs formulierten Frage verbunden, welche Technologien für die Raumfahrt entwickelt werden und wie gut sich diese für unsere alltägliche Kommunikation, Navigation und Mobilität nutzbar machen lassen. Nicht ohne Grund ist Raumfahrt seit ihren Anfängen als „Wettlauf ins All“ agonal geprägt, was sich am deutlichsten darin zeigt, dass sie im Kalten Krieg zum Symbol der Systemkonfrontation zwischen den USA und der UdSSR wurde. Heute ist das Spielfeld der Weltraummächte um zahlreiche raumfahrende Nationen erweitert, unter denen die europäischen Staaten im Verbund agieren und ihre Raumfahrtaktivitäten in der gemeinsamen European Space Agency (ESA) koordinieren. Geopolitische Machtverhältnisse hängen so direkt mit der prestigeträchtigen Raumfahrt zusammen und werden dort – mal mehr, mal weniger stark – ausgespielt. Das scheint befremdlich, wenn man sich vor Augen führt, dass der Weltraum nationale Grenzen aufhebt, wie sich mit Blick auf die Internationale Raumstation ISS beispielhaft zeigt: Astronautinnen und Astronauten unterschiedlicher Nationen forschen und leben dort, weit entfernt von kontroversen irdischen Machtverhältnissen, monatelang gemeinsam in der „teuersten WG des Sonnensystems“.

Auch theologische, philosophische und natürlich ethische Fragestellungen sind unmittelbar mit der Weltraumforschung verknüpft, zum Beispiel mit ihrem Ziel, die Ursprünge des Universums zu entschlüsseln und anhand von Urknalltheorien wissenschaftlich zu erklären. Diese modernen Schöpfungsmythen prägen unser Weltbild ebenso mit wie das verblüffende, ja ehrfürchtige Staunen, das diejenigen überkommt, die von einem Raumschiff aus auf die strahlendblaue Erde im endlosen Schwarz des Weltalls blicken und sich der Schönheit, aber auch der Verwundbarkeit unseres Planeten bewusstwerden.

Zum Seitenanfang