Ferienakademie 6 – 2019/20
Bretter, die die Welt bedeuten. Theater heute

Datum: 01.09. - 13.09.2019

Ort: Historisch-Ökologische Bildungsstätte - 26871 Papenburg

Leitung: Dr. Bernhard Stricker - Geistliche Begleitung: P. Christoph Brandt OP

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Jeder kennt das geflügelte Wort von den „Brettern, die die Welt bedeuten“ als Bezeichnung für die Bühne. Was aber heißt das eigentlich: die Welt bedeuten? Wie kann das überhaupt sein, dass das Theater die Welt bedeutet, wo doch alles nur Spiel, bloße Show ist auf diesen Brettern – oder etwa nicht …?

Living Theater
– Die Kulturgeschichte des Theaters reicht von den Tragödienwettstreiten in der griechischen Antike bis zu den performances und happenings unserer Gegenwart. Sie umspannt den Kult der Athener Dionysien ebenso wie die aufklärerische Idee von der Schaubühne als einer Erziehungsanstalt oder zeitgenössische Formate des (‚bloßen‘) Entertainments – die unterschied¬lichsten Programmatiken und Ästhetiken des Theaters also, die einander im Verlauf seiner Entwicklung abgelöst und bisweilen miteinander im Streit gelegen haben. Bis heute hat sich das Theater so trotz der Konkurrenz durch die Neuen Medien als eine überaus lebendige und vielseitige Kunstform behauptet. Gerade die Theater-Avantgarden des 20. Jahrhunderts haben immer wieder ganz ausdrücklich an die demokratischen und kultischen Ursprünge des Theaters in der athenischen Polis angeknüpft, indem sie den Zuschauer in das dramatische Geschehen einbezogen und zum Ko-Akteur erklärten.

„Wir alle spielen Theater“ – Wo das Theater früher dem Topos vom theatrum mundi entsprechend als Metapher für das Weltganze fungieren konnte, stellt sich heute vielmehr die Frage, welchen Ort das Theater innerhalb einer Gesellschaft hat, die nach Diagnosen von Soziologen und Kulturkritikern selbst zusehends Züge eines „Spektakels“ annimmt. Gesellschaftliche Interaktion gehorcht Formen der Selbstdarstellung, des Rollenspiels, der Maskerade und nicht selten sogar der Intrige – eine Entwicklung, die inzwischen durch die Bedeutung sozialer Netzwerke in Alltag und Politik noch verschärft wird. Kein Wunder, dass sich das Theater selbst wandelt, um beispielsweise der sozialen Entfremdung mit dem Verfremdungseffekt zu begegnen, sich der medial vermittelten Allgegenwart von „Tragödien“ als episches Theater zu widersetzen oder in Reaktion auf die Dramen des Alltagslebens post-dramatischen Charakter anzunehmen. Sollte also gerade das Theater in unserer Zeit eine ent-larvende Funktion ausüben?

The show must go on – Das zeitgenössische Theater auf eine Anstalt der Desillusionierung zu reduzieren, dürfte ihm kaum gerecht werden. Nicht bloß ist der Zauber des darstellerischen Verkörperns von Figuren und Emotionen ungebrochen; darüber hinaus ist die Theaterlandschaft unserer Tage so plural und vielseitig wie wahrscheinlich niemals zuvor. Dass das Theater sich mit einer Vielzahl von Erwartungen konfrontiert sieht, stellt aber auch eine große Herausforderung dar. So wird uns auch die Frage beschäftigen, wie es den Bühnen in Deutschland gelingt, unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, wie dem Publikumsgeschmack, ihrem öffentlichen Bildungsauftrag, ihrem ästhetischen Anspruch, ihrer Rolle als politischer Akteur und ihrer ökonomischen Verantwortung.

Die Akademie wird also das Feld der darstellenden Künste aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten: Wie hat sich das Schauspiel als eine religiöse, künstlerische oder pädagogische Praxis entwickelt? Wo finden sich schauspielerische und theatralische Aspekte außerhalb des Theaters? Und schließlich: Welche kulturelle, gesellschaftliche und politische Rolle spielt das Theater heute? Über diese Themen wollen wir mit akademischen Fachexperten, aber auch mit Theaterschaffenden selbst ins Gespräch kommen, um uns so der Welt des Theaters sowohl wissenschaftlich als auch experimentell anzunähern.

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