Ferienakademie 24 – 2021/22
Von Mäusen und Menschen. Tierphilosophische Perspektiven

Datum: 27.02. - 04.03.2022

Ort: Historisch-Ökologische Bildungsstätte - 26871 Papenburg

Leitung: Dr. Tobias Davids - Geistliche Begleitung: Philipp König OP

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

„Es wäre doch ein wenig seltsam, verstehen zu wollen, was denn die Tiere sind, wenn dies nicht ein Mittel wäre, um besser verstehen zu können, was wir sind.“ 
(Étienne B. de Condillac, Traité des animaux)

Über welche Fähigkeiten verfügen Tiere? Können sie Begriffe bilden? Haben sie ein Bewusstsein – vielleicht sogar ein Selbstbewusstsein? Sind sie dazu imstande, Schlüsse zu ziehen, zu zählen oder auf Dinge zu zeigen? Kommen ihnen Emotionen zu? Und wenn ja, von welcher Art sind diese Emotionen genau? Besitzen sie einen Willen, eventuell sogar einen freien Willen, oder ist ihr Verhalten gänzlich unfrei und instinktgesteuert? Diese und viele andere Fragen zu den Tieren und ihren Kompetenzen werden in der Philosophie aktuell kontrovers diskutiert.

Dabei schwebt diese Diskussion nicht im luftleeren Raum: sie ist empirisch unterfüttert durch beeindruckende Befunde der Verhaltensforschung, der Biologie und Zoologie, der Primatologie oder auch der kognitiven Ethologie. Die Frage nach dem ‚Geist‘ der Tiere ist längst zu einem interdisziplinären Projekt geworden.

Von Bedeutung ist ebenfalls, dass den Untersuchungen zu den Tieren auch eine methodische Funktion zukommt: Indem die Fähigkeiten der Tiere untersucht werden, tritt klarer hervor, was der Mensch im Unterschied zu (anderen) Tieren ist und kann – oder was er nicht ist und nicht kann. Die Tiere sind, wie einmal formuliert wurde, so etwas wie ein „analytisches Hilfsmittel“, das anthropologische Untersuchungen vorantreibt. Nach Markus Wild, einem der bekanntesten Autoren im deutschsprachigen Raum, die sich mit den Tieren philosophisch befassen, ist sowohl „das naturwissenschaftliche als auch das philosophische Interesse an den Tieren [...] häufig anthropologisch.“1 Im Kontrast mit dem Tier erhält der Mensch eine schärfere Kontur; tierphilosophische Studien haben ebenso wie naturwissenschaftlich motivierte Untersuchungen zu den Tieren Konsequenzen für das humane Selbstverständnis. Die Frage ist daher (auch): Welches Tier sind wir?

Der Schwerpunkt der Ferienakademie liegt damit auf der theoretischen Tierphilosophie. Aber auch Fragen der praktischen Tierphilosophie, und damit der Tierethik, sollen selbstverständlich zur Sprache kommen und diskutiert werden: Dürfen wir Tiere essen? Ist es legitim, Tiere für Experimente zu ‚verwenden‘? Oder allgemeiner: Wie sollte der Mensch mit Tieren umgehen?

______________

1 Wild, Tierphilosophie zur Einführung, Hamburg 2008, S. 26.

Zum Seitenanfang