Ferienakademie 07 – 2021/22
Macht Kirche. Anspruch und Wirklichkeit einer Institution

Datum: 09.08. - 14.08.2021

Ort: HVHS Gottfried Könzgenhaus - 45721 Haltern am See

Leitung: Kirsten Schäfers - Geistliche Begleitung: N.N.

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. (Mt 16,18-19)

Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. (Joh 18,36)

Die Kirche hat Macht. Am 25. Januar 1077, mitten im Winter, steht König Heinrich IV. im Büßergewand vor der Burg Canossa und bittet um Einlass. Doch Papst Gregor VII. lässt den Herrscher über das Heilige Römische Reich ganze drei Tage warten. „Ohne jegliche Zeichen königlicher Würde, ohne Prunk, mit nackten Füßen, fastend vom Morgen bis zum Abend“ harrt der König aus, bis ihn der Papst von der Exkommunikation begnadigt – so schildert es der Zeitgenosse Lambert von Hersfeld.1 Der mächtigste Regent Europas unterwirft sich symbolträchtig dem Oberhaupt der Katholischen Kirche.

Die Kirche kann aber auch eine Gegenmacht sein. In den Diktaturen des 20. Jahrhundert bildeten kirchliche Einrichtungen oft Schutzorte, in denen Gedanken frei geäußert werden konnten und die nicht selten Keimzellen für Widerstand gegen die Staatsgewalt bildeten. So spielten die Montagsgebete in der Leipziger Nikolaikirche 1989 eine wichtige Rolle für die friedliche Revolution in der DDR. Zur gleichen Zeit beflügelte die offene Unterstützung von Papst Johannes Paul II. für die Gewerkschaft Solidarność die Protestbewegung in Polen gegen das sozialistische Regime.

Nicht zuletzt wohnt der Kirche selbst eine organisierte Machtstruktur inne, in der Interessenkonflikte und Verteilungskämpfe ausgetragen werden: zwischen Päpsten und Konzilien, Progressiven und Konservativen, unter den Regionen der Weltkirche, schließlich auch zwischen Laien und Klerikern.

Die Kirche besitzt einen erheblichen Einfluss in der Welt. Zugleich hat sie für sich den Anspruch, kein politischer Akteur unter vielen zu sein – sie ist das „Volk und Haus Gottes“. Wie passt dies mit der institutionellen Wirklichkeit der Kirche zusammen? Die „MHG-Studie“ von 2018, die sich mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger in der Katholischen Kirche in Deutschland auseinandersetzt, sieht in der Kirche „autoritär-klerikale Strukturen“, die Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt begünstigen und zur Vertuschung dieser schrecklichen Fälle beitragen.2 Angesichts der sich hier zeigenden Kluft von Anspruch und Wirklichkeit ist die Forderung von Papst Benedikt XVI. in seiner Freiburger Rede nach einer „Entweltlichung“ der Kirche verständlich. Dennoch: Solange die Kirche eine Gemeinschaft von Menschen ist, hat sie auch ihren Ort in der Welt. Sie steht also ständig unter einer Spannung zwischen geistlicher Gemeinschaft und weltlicher Institution.

Auf unserer Ferienakademie gehen wir dieser Spannung nach und fragen: Wie funktioniert überhaupt Kirche als Institution und wie hat sich ihre Struktur herausgebildet? Wie sehen die theologischen Grundlagen aus, von denen die Kirche ihre Legitimation bezieht? Wie passen Anspruch und Wirklichkeit zueinander? Wer hat eigentlich Macht in der Kirche und wie kommt es zum Missbrauch dieser Macht? Wie war es möglich, dass die Kirche Königen, Kaisern und Diktatoren die Stirn bietet? Und schließlich: Wo sehen wir unseren Platz in der Kirche?
 

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1 „… nihil preferens regium, nihil ostentans pompaticum, nudis pedibus ieiunus a mane usque ad versperam perstabat Promani pontifficis sententiam prestolando.“ Lamperti Annales, A. 1077.
2 Dreßing, Salize, Dölling et. al.: „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“, Mannheim, Heidelberg, Geißen, dbk.de, 24. September 2018 [abgerufen am 21.02.2020], S. 17.

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