Ferienakademie 06 – 2021/22
Die Erben von Byzanz: Theologie und Tradition der orthodoxen Kirchen

Datum: 08.08. - 13.08.2021

Ort: Landvolkshochschule St. Gunther - 94557 Niederalteich

Leitung: Ruth Jung - Geistliche Begleitung: Ivan Machuzhak

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Das orthodoxe Christentum mit seinen über und über geschmückten Kirchen, seinen geheimnisvollen Ikonen und Gesängen, mit so besonderen Orten wie der Hagia Sophia, dem Berg Athos und den Höhlenklöstern übt auch auf viele Nicht-Orthodoxe eine exotische, ästhetische, ja spirituelle Faszination aus. Von 260 Millionen orthodoxen Christen leben die meisten in den krisengeschüttelten Ländern Ost- und Südosteuropas, des Nahen und Mittleren Ostens – und zwei Millionen in Deutschland. Die Orthodoxie bildet die drittgrößte kirchlich verfasste christliche Konfession weltweit und hier bei uns. Doch wer hat schon einmal eine orthodoxe Messe mitgefeiert und verstanden, was und wie da genau gefeiert wird, was es den Menschen bedeutet, wie es ihren Alltag prägt?

Wenn sich Katholiken, gerade deutsche Katholiken, mit der Ökumene beschäftigen, schauen sie in der Regel zunächst auf die evangelischen Kirchen. Die Orthodoxie wird im Land der Reformation sehr viel weniger wahrgenommen. Das liegt unter anderem daran, dass die meisten orthodoxen Christen in Deutschland aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks und Jugoslawiens stammen. Ihre Auslandsgemeinden sind nicht nur Bestandteil einer typischen Diasporakultur, sie sind aufgrund ihrer nationalkirchlichen und -sprachlichen Eigenheiten auch schwer zugänglich.

Diese Akademie will beides in den Blick nehmen: die Theologie und Tradition der orthodoxen Kirche/n und ihre gesellschaftspolitische Prägekraft und Relevanz. Wir werden dabei viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum eigenen lateinisch-römisch-westlich geprägten Christentum entdecken. Dabei geht es nicht um theologische Details, sondern um grundlegende Verhältnisbestimmungen von Gott und Welt, von Staat und Kirche sowie Kirche und Gesellschaft, von Sakramenten, Liturgie und anderen Frömmigkeitsformen, von Orts- und Ordenskirche, von Kirchenbau, -kunst und -musik.

All diese Themen sind auch innerhalb der Orthodoxie, der Vielzahl orthodoxer Kirchen umstritten. Das zeigte sich zuletzt 2016, beim sog. Panorthodoxen Konzil auf Kreta, der ersten Versammlung dieser Kirchen seit der großen Spaltung in katholische West- und orthodoxe Ostkirche 1054. Die orthodoxen Kirchen stehen wie alle institutionell verfassten Kirchen vor der Herausforderung, Antworten auf die Fragen und Infragestellungen unserer Gegenwart zu finden – und das in der geopolitisch, historisch wie gegenwärtig bewegten und umkämpften Übergangszone von „West“ und „Ost“.

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