Ferienakademie 02 – 2023/24
Das Gehirn und seine WIRKlichkeit

Datum: 07.08. - 18.08.2023

Ort: HVHS Gottfried Könzgen - 45721 Haltern am See

Leitung: Stephanie Kirsch - Geistliche Begleitung: Pfr. Dr. Manuel Schlögl

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Daß der Kopf im Raume sei hält ihn nicht ab, einzusehen, daß der Raum nur im Kopfe ist“ –

der Philosoph Arthur Schopenhauer verweist in diesem Satz aus seinen „Parerga und Paralipomena“ (II, 54) auf ein zentrales erkenntnistheoretisches Problem: Unser Gehirn bestimmt, wie wir die Welt um uns herum und letztlich auch das Gehirn selbst wahrnehmen. Aber wie tut es das überhaupt? Wie wird aus einer reinen Sinnesempfindung eine Wahrnehmung? Wie ein Gedanke, eine Entscheidung? Wovon werden diese im Gehirn ablaufenden Prozesse beeinflusst? Das Gehirn und seine WIRKlichkeit sind nicht nur als philosophisches Problem relevant, sondern auch als zentrale Frage der Neurowissenschaften.

Die Forschung zum menschlichen Gehirn hat in den letzten Jahrzehnten – auch angespornt von internationalen Großprojekten wie dem amerikanische „Brain Acitivity Map Project“ und dem EU-geförderten „Human Brain Project“ – erhebliche Fortschritte gemacht. Nicht nur die Frage, wie und warum sich das menschliche Gehirn im evolutionären Prozess in seine aktuelle Form gefunden hat, sondern vor allem auch seine Funktionsweise stehen dabei im Blick der Forschung. So wurde 2014 der Nobelpreis für Medizin an drei Neurowissenschaftler für die Erforschung der räumlichen Gedächtnisbildung verliehen. Alte Sicherheiten werden dabei regelmäßig über Bord geworfen: Galt vor einiger Zeit noch das Gehirn eines Erwachsenen als unveränderlich, ist heute klar, dass sich neue neuronale Verbindungen bis ins hohe Alter bilden können.

Gleichzeitig werden auch grundlegende Anfragen an die neurowissenschaftliche Forschung selbst laut, die Schopenhauers Feststellung in Erinnerung rufen: Das Gehirn formt die Wahrnehmung seiner selbst. So skizziert die britische Neurobiologin Gina Rippon in ihrem Buch „The Gendered Brain: The New Neuroscience That Shatters The Myth Of The Female Brain“ (2019) am Beispiel des Mythos von geschlechterspezifischen Hirnen die Auswirkungen, die als Neurosexismus bezeichnete, unbewusste Vorannahmen auf die Deutung von empirischen Forschungsergebnissen, aber auch bereits auf das Studiendesign haben können. Hat die Forschung sich zu lange auf die Identifizierung von Hirnarealen und ihre Funktionen fokussiert, anstatt individuelle Prozesse der gesellschaftlichen Prägung und ihre Folgen für das Gehirn in den Fokus zu nehmen? Welche gesamtgesellschaftlichen Implikationen haben diese Erkenntnisse?

Das Gehirn und seine WIRKlichkeit – Wie nimmt das menschliche Gehirn die Welt um uns herum wahr? Wie beeinflusst diese Welt unser Gehirn und unsere Erkenntnismöglichkeiten? Dies sollen die zentralen Fragen sein, die ausgehend vom aktuellen Stand der neurowissenschaftlichen Forschung und zusammen mit Expertinnen und Experten erschlossen werden sollen – diskutieren Sie mit!

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