Ferienakademie 02 – 2021/22
Zwei Zimmer, Küche, Diele, Bad. Zur Kultur des Wohnens

Datum: 01.08. - 06.08.2021

Ort: Franz-Hitze-Haus - 48149 Münster

Leitung: Dr. Mirjam Rossa - Geistliche Begleitung: Dr. Simon Kopf

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

„Zuhause ist kein Ort, sondern ein Gefühl“. Das sentimentale Bekenntnis, das wir auf Fußmatten und Kissenbezügen vorfinden, trifft doch den Kern der Sache: In einem Zuhause zu „wohnen“, ist elementares Grundbedürfnis des Menschen, das Assoziationen wie „Sicherheit, Schutz, Geborgenheit, Kontakt, Kommunikation und Selbstdarstellung“1 weckt.

Die Art, wie wir wohnen, prägt unseren Alltag, unsere sozialen Kontakte, unsere Gesundheit, unsere Identität. Gleichzeitig ist sie Ausdruck eines historisch gewachsenen, kulturell und individuell definierten ästhetischen Empfindens. Wie wir wohnen, ist Spiegelbild unserer Bedürfnisse und Möglichkeiten. So können Lage und Art des Wohnorts Auskunft über den sozialen Status seiner „Bewohner“ geben. Besonders deutlich wird dies durch den drohenden gesellschaftlichen Statusverlust im Fall unfreiwilliger „Wohnungslosigkeit“.

Im Gegensatz zur Außenwelt mit ihren Institutionen (Schule, Arbeitsplatz etc.) begreifen wir unseren Wohnort als Teil des Privaten, das es zu schützen gilt. Das „Zuhause“ ist ein von „Intimität“ geprägter Ort, den wir mit unseren engsten Angehörigen teilen und an dem wir bevorzugt unsere Freizeit verbringen und uns erholen.2 Nicht selten ist es zudem unsere wichtigste Kapitalanlage und Teil unserer Altersvorsorge.

Unsere Art zu Wohnen weist im Laufe der letzten Jahrhunderte viele Kontinuitäten auf, ist aber auch dem stetigen gesellschaftlichen und individuellen Wandel unterworfen, der den wechselnden Ansprüchen im Lebenszyklus entspricht. Wie verändert sich beispielsweise unser Wohnen durch die Individualisierung, Digitalisierung, Flexibilisierung und Entgrenzung von Arbeitszeiten sowie durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung? Wir werden in diesem Zusammenhang innovative Konzepte wie generationsübergreifende Wohnformen oder „Cluster-Wohnungen“ kritisch beleuchten.3

In dieser Ferienakademie nähern wir uns dem Thema „Wohnen“ primär aus kunst- und kulturwissenschaftlicher Perspektive. Wir betrachten frühere Wohnkonzepte und deren Anwendung in Gegenwart und Zukunft. Neben der europäischen Sicht auf das Thema werden auch Wohnformen in anderen Teilen der Welt vorgestellt und diskutiert.

Es folgt der Blick auf unterschiedliche architektonische Antworten auf die sozialen und ökologischen Anforderungen an den Wohnungs(um)bau und die Dynamiken des Wohnungsmarkts. Welche Antworten gibt es hier im Kontext von (Re)Urbanisierung, Wohnungsnot, explodierenden Großstadtmieten und Leerstand in strukturschwachen Gebieten?

Nach der theoretischen Einführung in das Thema werden Sie unter Anleitung von wissenschaftlichen Expertinnen und Experten sowie erfahrenen Persönlichkeiten aus der Praxis auch eigene künstlerische Zugänge erarbeiten können.

Sie werden diese Akademie mit neuen Erkenntnissen zum „Grundbedürfnis Wohnen“ und zu Ihrer Prägung durch historisch und kulturell gebundene Wohnformen verlassen.

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1 Hannemann, Christine (2014): „Zum Wandel des Wohnens“. In: APuZ 20-21/2014, S. 37.
2 Vgl. Hartmut Häussermann/Walter Siebel 2000: „Soziologie des Wohnens“.
3 Vgl. Krisch, Rüdiger (2002): „flexibel - variabel – disponibel“. In: Der Architekt (Zeitschrift des BDA) 10/2002, S. 38-40.

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