Abschlussseminar 2021
Autoriät

Datum: 25.10. - 31.10.2021

Ort: Jugendbildungsstätte Haus Altenberg - 51519 Odenthal-Altenberg

Leitung: Ruth Jung - Geistliche Begleitung: n.n.

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Inhalte der Veranstaltung

Autorität, von lat. auctoritas, ist seit der Antike ein schillernder Begriff, ein schwer greifbares Phänomen – schwer greifbar jedenfalls für den, der sich ihrer vergewissern will. Denn sie entsteht und vergeht im prekären Wechselspiel von Behauptung und Zuschreibung, Ausübung und Anerkennung. Spätestens nach Ende des Zweiten Weltkriegs, und forciert durch die „Antiautoritäre Bewegung“ der 1960/1970er Jahre, haben viele über Jahrhunderte prägende Autoritäten ihren Glanz verloren. Aber gerade in Krisen- und Konfliktsituationen wird deutlich, dass sich das Bedürfnis nach Autorität und Autoritäten, nach Orientierung und Führung durch Menschen und Institutionen, auf die wir vertrauen, nicht verloren hat.

Autorität ist dabei – trotz aller begrifflichen Schwierigkeiten – nicht mit Stärke, Macht, Gewalt oder Herrschaft gleichzusetzen. Autorität besteht nur innerhalb eines zwar asymmetrischen, aber reziproken Beziehungsgeschehens. Wer durch seine Qualitäten oder Funktionen Autorität gewinnt, erwirbt zwar die Anerkennung der anderen, diese erwarten aber auch eine „Gegenleistung“, d.h. Autorität kann nur wirken und ihre Ziele verfolgen, wenn sie sich fortdauernd bewährt.

Auch in liberalen Gesellschaften und ihren demokratischen Systemen gibt es also Autorität und Autoritäten: ganz selbstverständlich im Verhältnis von Eltern zu Kindern, Lehrern zu Schülern, oder qua Amt und Institution, Erfahrung und Expertise. Ihre Legitimität erlischt, sobald das zugrundeliegende Beziehungsgeschehen endet (wie z.B. der Schulbesuch) oder die erhoffte „Gegenleistung“ ausbleibt bzw. das in sie gesetzte Vertrauen nicht mehr gerechtfertigt erscheint. Jeder Versuch, Autorität mit Druck oder Zwang aufrechtzuerhalten, ist zum Scheitern verurteilt, denn: „Ihr gefährlichster Gegner ist nicht Feindschaft, sondern Verachtung, und was sie am sichersten unterminiert, ist das Lachen“ (Hannah Arendt, Macht und Gewalt, 1970).

Selbst die ältesten demokratisch legitimierte Autoritäten sind daher fragil und von einem Einverständnis abhängig, das sie allenfalls fördern, aber nicht erzeugen können. Wo demokratische Autoritäten unter Druck geraten, wächst die Neigung zum „Autoritären“, zu illiberalem Denken, groben Vereinfachungen, Feindbildern, Verschwörungstheorien und Gewalt. Das beobachten wir seit Jahren, spätestens seit 2014 auch in Deutschland.

Ähnlich aber anders prekär ist die Lage der Kirchen, speziell der katholischen Kirche, seit Aufdeckung des Missbrauchsskandals. Wie kann die Kirche Vertrauen wiederherstellen und ihre nach eigenem Verständnis auf Offenbarung, Tradition, Weihe und Amt gegründete Autorität aufrechterhalten oder zurückgewinnen?

Wer eine Familie gründet, wer Kinder durch die Schulzeit begleitet, wer in die Hierarchien der Arbeitswelt startet und ggf. einmal Führungsverantwortung übernimmt, wer als mündiger Bürger und Christ unsere Gesellschaft und Kirche mitgestalten will, der wird unweigerlich mit der Frage konfrontiert: Was ist und wie funktioniert Autorität? Und inwiefern kann, will und muss ich sie mir aneignen, sie anderen zuerkennen oder widerständig sein? Diese Frage wollen wir aus psychologischer, soziologischer, politikwissenschaftlicher und theologischer Perspektive bearbeiten.

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