Studentenpfarrer, Bischöfe und Staat: Zur Gründung des Cusanuswerks
Vorbild Villigst
Die Studentenpfarrer waren die ersten, die zu Beginn der 50er Jahre eine katholische Studienförderung ins Auge fassten. Modell stand das bereits 1948 gegründete evangelische Studienwerk Haus Villigst. „Es gibt eine Evangelische Studienstiftung des Hauses Villixt (sic!)“, heißt es auch am Beginn der Überlieferung auf bischöflicher Ebene. Die Protestanten hatten aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus – so die Selbstdarstellung – beschlossen, Studierende gezielt zu fördern. Die Katholiken entdeckten dieses Potential später und aus anderen Motiven: „Die Frage der katholischen Studienförderung … möge in dem großen Zusammenhang mit der Notwendigkeit gesehen werden, die Inferiorität der Katholiken, die noch immer auf wirtschaftlichem und sozialstrukturellem Gebiet besteht, zu überwinden.“
Drei Pläne
Am 10. November 1954 trafen auf Einladung des Kölner Erzbischofs Josef Kardinal Frings Persönlichkeiten des Erzbistums Köln zusammen, „um eine bessere Förderung des kath. akademischen Nachwuchses zu überlegen“. Der „Kölner Plan“ sah als zentrales Element ein ganz und gar katholisch gestaltetes „Vorsemester zur Schulung und Auslese“ vor, „die idealste Form der Vorbereitung für das eigentliche Studium“ – nicht zuletzt durch Werkarbeit, „um die jungen Studierenden mit der Wirklichkeit des Lebens und der verschiedenen Lebenskreise vertraut zu machen“. Leiter, so wurde ausdrücklich gewünscht, sollte ein Laie sein und: „es wäre sehr wichtig, daß er Familie hätte und seine Frau in verständiger Weise bei der Betreuung mitwirkte“.
Parallel dazu entstand der „Limburger Plan“. Sein Ziel war die „Nachwuchsförderung für die Hochschullaufbahn“ bis zur Habilitation. Die ideelle Förderung der Stipendiaten sollte durch Vertrauensleute und gemeinsame Ferienaktivitäten gewährleistet werden.
Eine eigens eingesetzte bischöfliche Kommission entwickelte diese Entwürfe weiter zum „Paderborner Plan“ – benannt nach dem Sitz des zuständigen Erzbischofs Lorenz Jaeger. In diesem Vorschlag vom April 1955 tauchte erstmals der Name „Cusanus-Kreis“ auf.
Bemerkenswert ist die Reaktion des Kölner Pfarrers Paul Hermesdorf auf diesen Plan: „Ich würde es nach Lage der Dinge für ein Versäumnis halten, weibliche Stipendiaten ... grundsätzlich auszuschließen. Denn der Mangel an Katholikinnen für führende Stellen im öffentlichen Leben ist noch größer als der katholischer Männer.“
Aus mancherlei Gründen erscheint es nicht zweckdienlich, die geplante Einrichtung als ‚Studienstiftung des deutschen Episkopates’ zu firmieren. Die Kommission empfiehlt die Bezeichnung „Cusanus-Kreis“. In dieser Bezeichnung dürfte ein Doppeltes glücklich angedeutet sein: erstens ein zu erstrebendes waches und weitgespanntes Interesse der Beteiligten an dem geistigen Leben der jeweiligen Zeitsituation, wie dies für Nikolaus von Cues charakteristisch war, und zweitens die Intention, unsere Stipendiaten nicht nur wissenschaftlich und beruflich, sondern auch charakterlich und religiös zu fördern und zu einem rechten Freundeskreis zusammenzuschließen. (Paderborner Plan, April 1955)
Die Gründung: Person und Institution
Die Bischöfe verwirklichten schließlich keinen der Pläne. Der Gründungsakt im November 1955 vollzog sich vielmehr in der Bestellung eines Leiters – gemäß dem Beschluß vom Juni 1955: „Die Organisationsform dieses ‚Cusanuskreises’ muß weithin der Initiative und der praktischen Erfahrung seines künftigen geistlichen Leiters überlassen bleiben, der bei seinen Plänen und Maßnahmen an die Genehmigung der Bischöfe gebunden ist.“ Die Bischöfe beauftragten nicht, wie vielfach empfohlen, einen Laien, sondern einen Geistlichen: den ehemaligen Tübinger Studentenpfarrer und damaligen Stuttgarter Stadtpfarrer Hanssler. Dieser nahm die Stelle zum 1. Januar 1956 an.
Ausführliche Fassung der Geschichte des Cusanuswerks
Über die Gründungsgeschichte des Cusanuswerks und die Entwicklung der Förderziele von 1956 bis heute informiert ausführlich der Text "Historia cusanorum".
